14. Kernkompetenz Finanzierung

von Philipp Bundschu
vom 27. Januar 2021

Immobilien kosten in der Regel sehr viel Geld, in der Regel mehr als man tatsächlich besitzt oder man investieren will. Daher gehört die Finanzierung zu den Kernaufgaben von Immobilien­käufern und der finanzielle Erfolg eines Projektes hängt auch davon ab, welche Konditionen und Bedingungen sich erzielen lassen. Ein möglichst niedriger Zinssatz bildet dabei nur die eine Seite der Medaille, ebenso zählen zum Bei­spiel die Zusammenstellung unterschiedlicher Finanzierungsquellen sowie die richtigen Tilgungsmodalitäten. Welche Rolle die Finanzierung spielt, zeigt die Statistik: 80 % aller Unternehmensinsolvenzen und viele Immobilien-Notverkäufe oder Zwangsversteigerungsverfahren beruhen auf (temporär) fehlender Liquidi­tät! Deshalb sollte jeder Käufer lange vor dem ersten Abschluss am Zugang zu passenden Darlehen arbeiten und Angebote verschiedener Banken einholen, miteinander vergleichen und auf dieser Grundlage mit den Banken weiter verhan­deln. Denn die Erfahrung zeigt, dass kaum eine Zahl in Stein gemeißelt ist und der Konkurrenzdruck dafür sorgt, dass sich die Konditionen oftmals zu eigenen Gunsten verschieben lassen. Und allein eine Zinsdifferenz von 0,1 % sorgt bei größeren Kreditbeträgen für Mehreinnahmen oder Minderausgaben in vier- bis fünfstelliger Höhe.

Gerade angesichts des aktuellen Immobilienhypes und der Unsicherheit auf den Finanzmärkten möchten sehr viele Menschen Immobilien zu Renditezwecken oder als Altersvorsorge erwerben. Doch oft gehen sie davon aus, dass ihnen das nötige „Kleingeld” dazu fehlt. Dabei ist Geldknappheit niemals der Grund für den fehlenden Zugang zu Kapital für Immobilieninvestments. Vielmehr deutet es auf tiefer liegende Ursachen hin. Hier einige Beispiele: Manche Haushalte erzielen generell zu geringe Einnahmen, sie geben zu viel Geld aus, es bestehen hohe Außenstände oder persönliche Unglücksfälle sorgen für hohe Belastungen. Nur wer seine persönlichen Ursachen für fehlende Liquidität kennt, kann diese abstellen. Klassiker sind Abos von Fitnessstudios, die schon lange nicht mehr besucht wurden oder überdimensionierte Telekommunikationsverträge, wie auch Konsumentenkredite aller Art oder der Kauf einer viel zu teuren Immobilie zur Eigennutzung.

Eine Analyse des eigenen, finanziellen Verhaltens ergibt auch deshalb Sinn, weil die Banken genau dies tun. Sie überprüfen die Risikoneigung einer Person und ihre Schwachstellen. Dabei ist die Regel ganz einfach: Je tragfähiger jemand wirtschaftet, desto leichter tut er sich mit der Finanzierung und desto besser fallen die Konditionen aus. Deshalb sollten Sie Ihr finanzielles Verhaltensmuster genau unter die Lupe nehmen.

Mit dieser Aufgabe schließen wir den Kreis zum Absatz „Wie sie vorgehen kön­nen”. Es gehört zu den zentralen Grundvoraussetzungen für finanziellen Erfolg, dass man zielstrebig agiert und seine eigenen Verhaltensweisen hinterfragt. Nur wer weiß, wie er in punkto Geld tickt und welche Mechanismen dahinter stecken, wird ein Vermögen ansparen. Wer sich nicht darum kümmert, dürfte selten zu Reichtum kommen. Mit dieser Bemerkung möchten wir ausdrücklich keine Wertung abgeben. Jeder muss selbst entscheiden, wie er mit Geld um­geht und das Eine ist nicht schlechter als das Andere. Doch die Erfahrung zeigt ganz deutlich, dass Reichtum meist ein Folge der „richtigen” Schritte ist. Und genau darum geht es in dieser Reihe, wir wollen vermögend werden und dieses Ziel so strategisch wie möglich angehen. Fremde Hilfe bei dieser Analyse kann man sich von Auskunfteien holen, sie be­werten die Bonität und legen auf deren Basis einen sogenannten Credit-Score fest. Je besser dieser ausfällt, desto günstigere Konditionen erhält ein Darle­hensnehmer. Diese Informationen sind übrigens jährlich kostenlos von Creditre­form, Schufa & Co. zu beziehen.