22. Die Wahl des richtigen Mieters

von Philipp Bundschu
vom 27. Januar 2021

Nun hatten wir mit der Rücknahme bereits etwas vorgegriffen, doch soll es in diesem Kapitel vor allem darum gehen, wie man geeignete Mieter findet und ein optimales Zusammenleben mit ihnen gestaltet. Erfahrungsgemäß heißt die wichtigste Aufgabe in diesem Zusammenhang, problematische Mieter von vor­neherein auszuschließen. Denn wer sie gar nicht erst ins Haus lässt, bekommt später keine Probleme mit ihnen. Um potenziell problematische Mieter herauszufiltern, reicht es nicht, einfach auf den äußeren Eindruck der Bewerber und deren Selbstauskunft Glauben zu schenken. Derartige Aspekte lassen sich nur sehr schwer einschätzen und es besteht eine große Gefahr, sich zu täuschen. Zudem geht es nicht darum, „sympathische” Menschen zu gewinnen, sondern solche, die gut in das jeweilige Objekt passen und ihre Miete sicher und dauer­haft bezahlen (können). Deshalb hat es sich bewährt, in irgendeiner Form „ak­tenkundig” gewordene Problemmieter zu identifizieren und auszuschließen. Wir sollten also wissen:

  • Wer konnte schon bei einem anderen Mietverhältnis nicht zahlen?
  • Wer macht fehlerhafte Angaben in seinen Aussagen und Dokumenten?
  • Wer hat bereits für Streit oder andere Probleme gesorgt?
  • Wer befindet sich in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen?

Treffen einer oder mehrere Punkte zu, kann dies auf spätere Probleme hindeuten. Muss nicht, aber die Wahrscheinlichkeit besteht. Um diese Fragen beantworten zu können, reichen die üblichen Standardprüfungen im Regelfall nicht aus. Deshalb soll­ten sich Vermieter aus unterschiedlichen Quellen über Wohnungsbewerber informie­ren. Ist ein Verwalter mit dieser Tätigkeit betraut, sollte auch er erweiterte Prüfungen durchführen. Bewerkstelligen lassen sich diese vor allem anhand unterschiedlicher Do­kumente, die der Wohnungsbewerber vorlegen sollte. Dazu gehören Mieterfragebögen mit entsprechenden Belegen, Mietschuldenfreiheitsbestätigung und Mieterzeugnis, aber auch telefonische Rückfragen beim Altvermieter haben sich bewährt. Darüber hin­aus verfügen auch die bekannten Auskunfteien oftmals über Warnhinweise. Begnügen Sie sich bitte nicht mit einer oberflächlichen Prüfung, denn nur eine umfassenden Mieterprüfung sorgt für Sicherheit.

Zusätzlich zu diesem datenbasierten Mietercheck sollten sich Eigentümer, Verwalter oder Makler ein persönliches Bild vom Mietinteressenten machen. Dieses gibt Auf­schluss darüber, ob das Auftreten der Person auch zum sonstigen Erscheinungsbild passt. Allerdings gibt es den perfekten Mieter nur selten. Wer zum Beispiel erstmalig eine eigene Wohnung bezieht, kann kein Vermieterzeugnis vorweisen und wer eine Scheidung hinter sich hat, verfügt oft über einen Schufa-Eintrag. Viele Punkte sollten daher nicht überbewertet werden. Vielmehr kommt es darauf an, dass der Mietinteres­sent offen und fair mit negativen Informationen umgeht und keine Lügengeschichten auftischt. Offenheit und Fairness gehören für beide Seiten dazu. Wer unaufgefordert eine plausible Erklärung für Negatives kommuniziert, kann sich auf lange Sicht als sehr guter Mieter herausstellen.