Basiswissen – Erbschafts- und Schenkungssteuer

von Philipp Bundschu
vom 27. Januar 2021

Warum gibt es die Erbschafts- und Schenkungssteuer?

Arbeitslohn ist steuerpflichtig und wer etwas umsonst bekommt, der soll erst recht Steuern zahlen, meinen die Befürworter der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Warum diese Steuer aber derart kompliziert sein muss, wissen sie auch nicht. Man kann Sie minimieren und teilweise sogar vermeiden, weshalb gute Berater als Lotsen durch den Steuerdschungel super wichtig sind.

Als Lotsen durch den Dschungel des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechts kann man sich an Steuerberater oder steuerrechtlich versierte Anwälte richten, aber auch Notare kennen sich mit dieser Steuerart sehr gut aus. Der Notar, den Sie mit dem Entwurf eines Testaments oder eines Schenkungsvertrags beauftragen, kann Sie auch über steuerlich günstige Gestaltungen beraten und Ihnen empfehlen, wann Sie Ihren Steuerberater mit ins Boot holen sollten.

Wann fällt Erbschafts- oder Schenkungssteuer an?

Erbschafts- oder Schenkungssteuer kann unter Umständen anfallen, wenn Sie etwas umsonst bekommen. Die Erbschaftssteuer betrifft Erbschaften und Vermächtnisse, die Schenkungssteuer ausschließlich Schenkungen. Schenkungssteuer kann aber auch anfallen, wenn für den Verzicht auf einen Pflichtteil oder eine Erbschaft etwas geleistet wird, indem der Verzichtende etwas ein Grundstück oder einen Geldbetrag überschrieben bekommt.

Die Rechnung vom Finanzamt erhält in erster Linie der Empfänger, das heißt der Erbe, der Vermächtnisnehmer oder der Beschenkte. Zahlt dieser die Steuer nicht, kann sich das Finanzamt auch an den Schenker zur Begleichung der Steuerschuld wenden. Hat ein Verstorbener einen Testamentsvollstrecker eingesetzt, ist dieser für das Finanzamt der erste Ansprechpartner. Ein Testamentsvollstrecker sollte daher die geschuldete Erbschaftssteuer einbehalten und den Nachlass nicht gleich vollständig verteilen.

Wie hoch ist die Erbschafts- und Schenkungssteuer?

Die erste Faustformel im Zusammenhand mit der Erbschafts- und Schenkungssteuer lautet: Je mehr man bekommt, desto höher fällt die Steuer aus.

Für die Höhe der Steuer sind zwei Faktoren maßgeblich. Zum einen kommt es auf den Wert an, was der Empfänger unentgeltlich bekommt und zum anderen kommt es auf die Verwandtschaft des Empfängers zum Schenker oder zum Verstorbenen an.

Die zweite Faustregel lautet: Ehepartner, Kinder und Enkel zahlen weniger als Geschwister und Neffen/Nichten und Freunde.

Soweit man etwas nicht umsonst bekommen hat, entsteht auch keine Steuer. Das heißt der Erbe kann Bestattungskosten, geerbte Schulden oder das abziehen, was er Dritte wie zum Beispiel Pflichtteilsberechtigte herausgeben muss. Wird eine nicht abbezahlte Immobilie verschenkt und übernimmt der Beschenkte die Restschuld, mindert das den Wert der Schenkung. Dasselbe gilt, wenn sich der Schenker an der Immobilie den Nießbrauch vorbehält um zum Beispiel die Mieten weiter zu vereinnahmen. Es kann daher von Vorteil sein, etwas nicht ganz umsonst zu übertragen.

Beispiel: Da die Tochter bereits ein Haus besitzt, will die Oma gleich dem Enkel einen Bauplatz vermachen. Da das teilweise zu einer höheren Besteuerung führt, kann es steuerlich besser sein, den Bauplatz erst der Tochter zu schenken und diese in dann später an den Enkel vermacht. Man spricht in diesem Fall auch von „Steuerbillard“ spielen.

Auch bei der Testamentsgestaltung kann man „über Bande“ spielen. Sind die Enkel noch nicht aus den wilden Jahren heraus, sprechen auch weitere Punkte für eine Schenkung „über Bande“. Da man bei solchen Konstruktionen schon sehr genau rechnen muss, kommt man zumeist ohne die Unterstützung eines Notars und Steuerberaters nur sehr schwer zurecht.

Wie hoch sind die Steuerfreibeträge?

Der Gesetzgeber sieht nach den unterschiedlichen Verwandtschaftsgraden gestaffelte Freibeträge vor. So kann man innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren seinem Ehepartner 500.000€, pro Kind 400.000€ und pro Enkel 200.000€ schenken oder vererben. Für Familien mit Kindern ergeben sich so mit der richtigen Planung hohe Gestaltungsspielräume. Für Geschwister, Neffen und Nichten schrumpft der Freibetrag allerdings auf 20.000€, wodurch insbesondere Kinderlose Paare sich frühzeitig mit der Verteilung der potentiellen Erb- oder Schenkungsmasse beschäftigen sollten.

Oft setzen sich Ehepartner durch eine Testament gegenseitig als Alleinerben ein. Ihre Kinder werden dann erst durch den Tod des zweiten Elternteils als Erben eingesetzt. Ein solches Testament ist grundsätzlich angemessen, soweit der überlebende Partner auf das Vermögen angewiesen ist, weil sonst die Rente nicht reicht. Ist jedoch mehr als genug Vermögen vorhanden, kann im Testament vorgesehen werden, dass bereits beim Tod des ersten Elternteils die Kinder etwas bekommen, damit deren Freibeträge nicht ungenutzt verfallen. Den Kindern stehen die Freibeträge nämlich nach jedem Elternteil zu.

Was die Freibeträge übersteigt, wird besteuert und zwar mit steigenden Prozentsätzen. Durch eine Verteilung der Erbschaft oder Schenkung auf mehrere Empfänger, kann daher zu einer hohen Steuerersparnis führen.

Beispiel: Eine Großmutter hat einen Sohn mit zwei Töchtern sowie eine unbelastete Immobilie mit einem Steuerwert in Höhe von 1.000.000€. Schenkt Sie diese Immobilie nur dem Sohn, hat dieser eine Steuerbelastung von 90.000€. Schenkt Sie dem Sohn jedoch nur einen Anteil in Höhe von 47,5% an der Immobilie und dessen Töchtern den Rest zu gleichen Teilen, beträgt die Steuerbelastung insgesamt 14.000€. Somit ergibt sich eine Steuerersparnis in Höhe von 76.000€.

Weitere Ausnahmen von der Steuerpflicht bestehen bei selbstgenutzten Immobilien. Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner können untereinander zu Lebzeiten ein selbstgenutzte Immobilie steuerfrei übertragen. Für Kinder gibt es bei Übertragungen zu Lebzeiten keine besonderen Privilegien. Wird das Familienwohnheim an den überlebenden Partner vererbt, so fällt keine Erbschaftsteuer an, wenn dieser die Immobilie zehn Jahre weiter bewohnt. Erben die Kinder die Immobilie ist dies nur steuerfrei, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 qm ist und die Kinder es zehn Jahre lang weiter bewohnen. Aus welchen triftigen Gründen man ohne Steuernachteile ausziehen darf (z.B. Umzug ins Pflegeheim, neuer Job), ist in den Einzelheiten unklar. Letztendlich ist die Regelung so kompliziert, dass die Hinzuziehung von Spezialisten wie Notar und Steuerberater eigentlich unumgänglich ist.

Mit welchen Werten wird übertragenes und vererbtes Vermögen angesetzt?

Am einfachsten lässt sich der Wert von Geld oder Wertpapieren feststellen. Es zählt der Betrag beziehungsweise der Börsenkurs bei Schenkung oder Todesfall.

Bis man die nötigen Unterlagen zusammen hat (z.B. Erbschein), um bei der Bank an ein Aktiendepot heranzukommen, kann einige Zeit vergehen. In der Zwischenzeit können die Kurse jedoch in den Keller gegangen sein. Die Steuer wird trotzdem nach dem Kurswert am Todestag des Erblassers berechnet. Im Extremfall kann die Steuer damit höher werden, als das was man bekommt. Hätten die Erben eine ausreichende Vollmacht gehabt, hätten sie diese Papiere rechtzeitig verkaufen und somit ihren Verlust begrenzen können. Auch ein notarielles Testament oder en Erbvertrag können hiervor bewahren, da sie den Erbschein ersetzen können.

Auch Immobilien werden nach dem Verkehrswert besteuert. Wie dieser festgelegt wird, ist komplex und richtet sich nach der Art der Bebauung. Der Wert unbebauter Grundstücke bemisst sich dabei nach der Fläche und den Bodenrichtwerten, die von den Gutachterausschüssen der Städte, Gemeinden oder Landkreisen ermittelt werden.

Ein- und Zweifamilienhäuser werden ebenso wie Eigentumswohnungen unter der Heranziehung der Preise für vergleichbare Objekte bewertet. Der Wert von Mietwohn- und Geschäftsgrundstücken ergibt sich aus dem Bodenwert des Grundstücks und dem Ertrag den das Gebäude abwirft. Weil auch hier der Teufel im Detail steckt, ist die Hinzuziehung eines Sachverständigen sowie die Erstellung eines Wertgutachtens empfehlenswert.

Wird ein Betrieb übertragen oder vererbt, geht schon bei der Bewertung ohne Experten nichts mehr. Zudem hat der Erbe, solange das Erbe 26.000.000€ nicht übersteigt, zwei Joker, um die Steuerlast erheblich zu senken, wenn der den Betrieb fünf oder sieben Jahre weiterführt. Der Haken dabei ist, dass die Summe der Angestelltengehälter in diesen Jahren praktisch nicht vermindert werden darf. Auch muss man sich vorher entscheiden, welches Steuersenkungsmodell man wählt. Wenn sich die Wirtschaft anders entwickelt, als man erwartet hat, hat man Pech gehabt. Auch ohne eine solche Betriebsfortführung können bis zu 30% des Wertes von Gesellschaften steuerfrei bleiben, wenn der Gesellschaftsvertrag entsprechend gestaltet wird. Die Frage, welches Gestaltungsmodell das richtige ist, sollte unserer Meinung nach nicht ohne Experten getroffen werden.

Wie wird Auslandsvermögen erfasst?

Wer Vermögen im Ausland geschenkt oder vererbt bekommt (insbesondere Ferienimmobilien), muss auch mit ausländischen Steuern rechnen. Meist können diese dann jedoch beim deutschen Finanzamt gelten gemacht werden. Lösungen für solche Fälle können meist nur in Zusammenarbeit mit deutschen und ausländischen Notaren sowie Steuerberatern erarbeitet werden.

Wer sich eine Auslandsimmobilie zulegen möchte, sollte vorher einen Steuerberater nach den steuerlichen und einen Notar nach den erbrechtlichen Wirkungen befragen. Oft kauft man sich mit einem Objekt im sonnigen Süden nicht nur ein fremdes Steuerrecht, sondern auch ein fremdes Erbrecht ein. Sollte man dort auch seinen Lebensabend verbringen wollen, muss man die Rechtswahl wählen, denn sonst unterliegt man unter Umständen ausländischem Erbrecht, denn entscheidend ist der gewöhnliche Aufenthaltsort. Mit einer Rechtswahl kann dies vermieden werden.